Zivilcourage tut Not


In Erfurt kam es am Freitag im Zug zu einem sehr hässlichen Fall von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, der sich gegen einen jungen Syrer richtete. Ein deutscher Mann mit einem Fahrrad beschimpfte den Jungen zunächst verbal und griff ihn dann körperlich an, indem er ihn trat und sein Handy auf dem Boden zerschlug. Der Mann wurde später verhaftet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Junge vom Vorfall gezeichnet ist.

Ich war nicht dabei – der Vorfall wurde auf Twitter geteilt. Aber da ich schon etliche unangenehme Erfahrungen gemachte habe bei denen ich mal besser, mal schlechter reagiert habe, hier mal eine reflektierende Notiz an mich selbst: Wenn jemand in meiner Gegenwart angegriffen wird, würde ich am erfolgversprechendsten folgendermaßen intervenieren:

Ich würde den Angreifer nicht direkt konfrontieren – das würde nur die Aggressionen des Täters auf mich ziehen. Schließlich hätte ich in seinen Augen keine offizielle, privilegierte Rolle ihm gegenüber, ich wäre nur ein Mitbürger, so dass er mich direkt herausfordern könnte.

Stattdessen wäre es sinnvoll, den Fahrer zu benachrichtigen, der die Türen schließen könnte, um den Angreifer an der Flucht zu hindern, und die Polizei zu rufen, um den Vorfall zu melden. Idealerweise würde ich mich mit den anderen Fahrgästen um mich herum entsprechend abstimmen.

Insgesamt müsste dann meine und unsere Aufmerksamkeit sofort beim Opfer sein. Dieser Mensch erlebt gerade etwas Traumatisches. Ich würde also zu ihm gehen und ihn freundlich ansprechen, mich zu ihm setzen und ein vertrautes Gespräch beginnen, so als ob wir uns kennen würden. „Schön dich zu sehen. Wie geht’s in der Schule? Ich fahre gerade von der Arbeit nachhause, Und du?…“

Etwas, das man nie vergessen sollte: Mut ist ansteckend – Mut erzeugt auch bei anderen Mut – und Zivilcourage ist geradezu befreiend.

Die Comedyserie SNL nimmt einen Gerichtsfall aufs Korn. Sind sich Schwarze und Weiße wirklich einig?

Saturday Night Live hat die aktuellen politischen Ereignisse in den USA aufgegriffen. Die Comedy-Serie eröffnet die aktuelle Folge mit einer fiktiven Minnesota-Morgenshow mit zwei schwarzen Moderatoren, gespielt von Ego Nwodim und Kenan Thompson, und zwei weißen Moderatoren, gespielt von Kate McKinnon und Alex Moffat.

Sie beginnen ihren wöchentlichen Nachrichtenrückblick mit der Besprechung des Prozesses gegen Derek Chauvin, den ehemaligen Polizisten aus Minneapolis, der wegen des Mordes an George Floyd vor Gericht steht. Die Verteidigung hat versucht, die Todesursache auf Floyds angeblichen Drogenkonsum zu schieben, während die Staatsanwaltschaft Beweise vorgelegt hat, dass Floyd an Sauerstoffmangel gestorben ist, der in direktem Zusammenhang mit dem Kniegriff an seinem Hals stand. Die Jury ist noch nicht entschieden, das Urteil muss noch gesprochen werden.

Im SNL Cold Open sagt Nwodims Charakter, dass die Beobachtung des Prozesses „so viele schlechte Gefühle“ vom letzten Sommer zurückgebracht hat. McKinnon kommentiert: „Klingt, als wären wir uns alle einig, dass Derek Chauvin auf keinen Fall davonkommt“. Aber Nwodim und Thompson sind anderer Meinung. „Nun…“, sagen sie und schauen unglücklich. Nwodim fügt hinzu: „Sagen wir einfach, wir sehen diesen Film nicht zum ersten mal.“ McKinnon beharrt: „Aber nach all den Protesten, des letzten Sommers muss das doch auf jeden Fall so laufen, wie wir hoffen.“ Nwodim wendet sich an Thompson und sagt: „Ich weiß nicht, wovon sie spricht.“

McKinnon räumt ein, dass „Skepsis gegenüber der Juristerei berechtigt ist… Historisch gesehen, ist die Polizei in ähnlichen Fällen avongekommen.“ „Historisch gesehen?“ fragt Thompson ungläubig. „Sie meint, jedes einzelne Mal“, sagt Nwodim.

Während sie sich streiten, benutzt Nwodim spitz den „nordisch“ klingenden Nachnamen ihres weißen Kollegen. Moffat, der seine Worte zum heiklen Thema Rassismus sorgfältig wählen will, beginnt: „Um Thomas Jefferson zu zitieren…“ „Das ist ein schlechter Einstieg“, antwortet Thompson. (Sklavenhalter Jefferson ist eindeutig nicht politisch korrekt.)

McKinnon bittet den schwarzen Wetterreporter der Show, gespielt von Chris Redd, um seine Meinung zu alledem. „Mann, zieh mich nicht in diesen Schlamassel rein!“ sagt Redd. „Ich stecke immer noch in der Klemme, weil ich in diesem Paul Pierce-Video mitgespielt habe“, eine Anspielung auf den ehemaligen NBA-Spieler und heutigen Sportanalysten, der gerade von Cable News gefeuert wurde, weil er ein schlüpfriges Instagram-Live-Video gepostet hatte. Redd ist der Meinung: „An dem Fall gibt es nichts zu deuten.“ Aber die Moderatoren sind sich nicht einig, was das für den Ausgang des Falles bedeutet.

„Um unserer Stadt willen“, sagt McKinnon, „hoffe ich, dass der Gerechtigkeit endlich siegt.“ Diese Hoffnung teilen sie alle. „Das Letzte, was wir wollen, ist ein weiterer Aufstand.“ Aber dann sagt Thompson: „Und ich denke, wir sind uns alle einig, dass, egal wie schlimm die Dinge sind, die Zerstörung von Eigentum niemals angebracht ist.“ Die schwarzen Moderatoren scheinen das anders zu sehen. „Das würde ich so nicht sagen.“ „Es gibt doch Versicherung.“ „Ich finde nur, Protest sollte immer gewaltfrei sein.“ „Nun, danke für den kleinen Hinweis, Craig!“ „Ja, das wirst du sicher den anderen sagen, Craig Matthew Juergensen!“

„Na, wenigstens sind wir uns in der Sache einig“, sagt Moffat. Wenn das so ist, sagt Nwodim, könne man ja mal gemeinsam die nötigen großen Reformen in Angriff nehmen, oder? „Und wir beginnen mit Reparationen“ – das sind die zur Diskussion gestellten Zahlungen an die Nachkommen der Sklaven für die dauerhafte systemische sozioökonomische Benachteiligung als Folge der Sklaverei. „Also, Moment mal…“

Das um Harmonie bemühte Nachrichtenteam geht zu anderen großen Nachrichten über. McKinnon sagt: „Mehr traurige Nachrichten diese Woche. Leider haben wir gestern ein Mitglied der Royals verloren.“ „Ja, genau, der Rapper DMX ist gestorben“, fügt Nwodim hinzu. McKinnon berichtigt, sie spreche „vom Prinzen“. „Mädchen, Prince ist doch lange tot“, sagt Nwodim. Moffat erklärt, sie meine Prinz Philip von England. „Wer? Der Freund von Meghan Markle?“ fragt Thompson.

Auf der Suche nach irgendeiner einer Nachricht, bei der sich alle einig sein könnten, landet das Team bei Matt Gaetz, dem US-Senator, der derzeit des Sexhandels mit einer Minderjährigen beschuldigt wird. Während sie sich anscheinend alle einig sind, dass er toxisch ist, kommt Redd zu Gaetz‘ Verteidigung und sagt: „17 ist doch nicht so jung“. „Deshalb steckst du ja in Schwierigkeiten!“

Damit geben sie den Versuch auf, sich auf irgendetwas zu einigen, und geben das Mikrof ab mit dem Eröffnungsspruch der Show: „Live from New York, it’s Saturday Night!“

Das Video ist auf Facebook zu sehen.
Was ist Dein Eindruck? Ist das lustig oder ernst? Was bringt Dich dazu, das zu sagen?

Wo sind sich die Moderatoren einig? Wo unterscheiden sich ihre Meinungen?

In der folgenden Liste stehen die Sätze, die die Moderatoren verwenden, um Gemeinsamkeiten zu schaffen und ihre unterschiedlichen Standpunkte zu verdeutlichen.

Wer sagt was, und in welchem Zusammenhang? Wo wird gelacht und warum? Welche Phrasen würdest Du verwenden, und in welchem konkreten Kontext?

Check
(repeat): “…”? – She means “…” 
Wait, so what are you trying to say?
Propose common ground
This has been (highly emotional) for everyone, I’m sure.
There is no way that… 
And I think we can all agree that… 
We can’t deny that…
The last thing we want is…
Let’s just say,… 
That’s all we’re saying.
You can at least admit…
Ok, look…
At least we agree on…
Agree
I know.
Absolutely.
Sure did. Yep. No doubt about it.
Hopefully. That would be nice. God willing.
Of course not.
Exactly.
You know, that’s fair.
Agreed. I’m with you there. 
Amen to that.
Can’t deny that. No argument there.
Disagree
Well, I…
I’m not saying that. 
I don’t know about that.
That’s a bad start. 
I wouldn’t say that. 
(Sarcastic tone) Well, thank you for that little note. 
Not necessarily. 
I don’t know what she’s talking about.
For who(m)? When?
Now, wait just a minute.

Was ist eigentlich gestern in den USA passiert – und wie nennen wir das?

Was gestern in Washington vorgefallen ist, und was sich in diesem Jahr in den USA ereignet hat, ist mehr als schockierend. Und spricht man darüber, muss man sich entscheiden, wie man die weit verbreiteten Unruhen charakterisieren soll. Sind diese Ereignisse Demonstrationen, Aufstände, Rebellionen, Aufruhr, Krawalle? Waren die Menschen, die im vergangenen Sommer für Black Lives Matter (BLM) auf die Straße gingen, oder diejenigen, die gestern das Kapitol stürmten, Demonstranten oder ein Mob? Der jeweils gewählte Begriff sendet eine sehr unterschiedliche Botschaft über das, was auf den Straßen vor sich geht.

Während einer Rede im Rosengarten am 1. Juni benutzte Präsident Trump fünfmal das Wort „riots“ (Krawalle). Das ist ein belastetes Wort. Im Allgemeinen bezeichnet „riot“ die sinnlose Gewalt von Menschen, die jeden Bezug zur Vernunft verloren haben. In den USA hat der Begriff zudem rassistische Konnotationen. In den 1960er Jahren wurde das Wort „riots“ von Weißen als Waffe eingesetzt, um das Bild eines von Schwarzen in den Städten angerichteten sinnlosen Chaos zu beschwören. Das Wort half, die politische Dimension des Geschehens zu verbergen, einschließlich der sozioökonomischen Ungleichheiten, die den Unruhen vorausgingen.

Im Kontrast dazu suggerieren Worte wie Aufstand, Insurrektion oder Rebellion einen Kampf für Gerechtigkeit, eine berechtigte (oder gerechtfertigte) Antwort auf Unterdrückung, mit der Forderung nach systemischen Veränderungen. In seinen Kommentaren über die meist friedlichen BLM-Demonstranten beschwor Trump ein Amerika in den Fängen eines „wütenden Mobs“. Er nannte die Menschen in den Straßen „Plünderer, Kriminelle, Randalierer“, die „Akte des inländischen Terrors“ begingen. Er schwor, „Recht und Ordnung“ wiederherzustellen. „Recht und Ordnung“ ist wiederum spezifisch kodiert. Polizeimaßnahmen – selbst das Abfeuern von Gummigeschossen in eine Menschenmenge – werden oft als „Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung“ dargestellt. Die Logik dahinter: Aufruhr gilt als Unordnung, und deshalb muss die Reaktion darauf das Gegenteil sein.

Und dann gibt es noch die Anstiftung zum gewaltsamen Aufstand, das Anzetteln von Krawallen. Schon vor der Wahl hatten Trump und seine Unterstützer begonnen, die Legitimität der Wahl in den Augen seiner Anhänger zu unterwandern. Es wurde zuletzt in den Medien debattiert, ob Trump versucht, einen Putsch zu inszenieren. Am 6. Januar jedenfalls feuerte Trump seine Anhänger in einer Rallye am Weißen Haus an: „Ihr seid das wahre Volk“ und „Eure Stimmen werden nicht zum Schweigen gebracht werden, das werden wir nicht zulassen“. Er kündigte dann an, „wir“ würden nun die Meile zum Kapitol laufen. Dann zog die Menge los –und Trump ließ sie alleine gehen. Diesen Mob hatte Trump in jeder Hinsicht in der Hand: Er hatte die Menschen nach Washington eingeladen, sie aufgemischt, und nun hielt er sie zum Narren.

Beim Aufstand am 6. Januar wurden Senator Mitch McConnell und die anderen Senatoren und Abgeordneten sowie deren Mitarbeiter durch die Aufständischen aus ihren Arbeitsräumen im Kapitol vertrieben und in Sicherheit gebracht. Nach ihrer Rückkehr sagte McConnell, er werde sich nicht den „Schlägern“ und der „verstörten“ Meute beugen. Er sprach von einem „gescheiterten Aufstand“. Was er in seiner Rede nicht zugeben wollte, war, dass seine eigenen Wähler zu diesen Aufständischen gehörten. Mitt Romney – der einzige republikanische Senator, der im Jahr zuvor für die Anklage gegen Trump wegen Machtmissbrauchs im Amtsenthebungsverfahren gestimmt hatte – wurde konkreter: Er nannte den Mob im Kapitol „einen Aufstand, der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten angezettelt worden ist.“

Trumps Ermöglicher am rechten Rand mögen dies weiterhin als (legitimen) Protest verteidigen, aber es handelt sich um den Versuch, eine legitime Wahl umzustürzen. Der Mob wurde von Trump angestiftet. Unter normalen Umständen müsste man seine Aktionen als Verrat, und die Akteure Verräter einordnen. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, spricht von Volksverhetzung, d. h. von einem Verhalten oder einer Rede, die Menschen dazu anstiftet, sich gegen die Autorität des Staates aufzulehnen. Die Trump-Anhänger bereiten sich nun darauf vor, nachzulegen. Aber im Moment diskutiert der Kongress, ob Trump für die letzten 2 Wochen seiner Amtszeit für untauglich erklärt und seines Amtes enthoben werden soll – sein Kabinett müsste sich dafür auf den 25. Verfassungszusatz berufen. Wenn das nicht geschieht, hat Nancy Pelosi angekündigt, wird der Kongress Trump erneut anklagen.

In der gemeinsamen Kongress-Sitzung zur Annahme der Stimmen der Wahlmänner wurden viele gewichtige Reden geschwungen. Aber der Kongress ist weiterhin sehr gespalten. Vizepräsident Pence ist seit heute der Zugang zum Weißen Haus verwehrt. Präsident Trump wurde für seine Restamtszeit ein Twitter- und Facebook-Verbot auferlegt. Und der Aufruhr, oder Protest, oder Aufstand, oder Putsch, auf den Straßen und im Weißen Haus? Der Versuch der Exekutive, die Legislative auszuschalten? Das ist alles noch im Fluss.

Globale Geschicklichkeit

Zusammenfassung von: Andy Molinsky: Global Dexterity: How to Adapt Your Behavior Across Cultures without Losing Yourself in the Process. Harvard Business Review Press. 2013

Sie wollen also eine echte/r „Weltbürger/in“ werden? Da brauchen Sie mehr als nur Kenntnisse darüber, was sich in den Kulturen, in denen Sie sich bewegen, gehört. Es gibt einen ziemlichen Unterschied zwischen dem Wissen darüber, welches Verhalten in einer bestimmten Umgebung und Situation verlangt wird, und der Fähigkeit, tatsächlich dementsprechend zu handeln. Um Ihre Rolle in diesem Umfeld einzunehmen, müssen Sie in der Lage sein, Ihr Verhalten an den Kontext anzupassen, ohne Ihre Authentizität zu verlieren oder darüber verbittert zu werden, dass Sie sich an fremde Normen anpassen müssen. Dieser Prozess kann einen ganz schön aus dem Gleis werfen.

Um mit Teams über Kulturen hinweg zu arbeiten und Menschen aus anderen Kulturen zu führen, braucht man eine Schlüsselkompetenz, die Andy Molinsky als „globale Geschicklichkeit“ bezeichnet. Er bietet eine Coaching Toolbox an. Im Mittelpunkt steht eine Kernbotschaft: Bleib dir selbst treu. Werde auf deine eigene Weise erfolgreich. Damit empfielt er einen ganzheitlichen Ansatz.

Der erste Schritt besteht darin, sowohl Ihren eigenen „kulturellen Code“ als auch den Ihrer fremden Umgebung zu knacken. Das bedeutet, die prototypischen Verhaltens- und Denkweisen zu erkennen, die in einer gegebenen Situation als angemessen erachtet werden, und das mit dem Verhalten zu vergleichen, das man normalerweise an den Tag legen würde.

Molinsky bietet die folgenden Verhaltenskategorien an:

  • wie direkt oder indirekt (Grad der Direktheit)
  • wie enthusiastisch oder zurückhaltend (Grad der Begeisterung)
  • wie formell oder informell (Grad der Formalität)
  • wie durchsetzungsstark oder konform (Grad der Durchsetzungsfähigkeit)
  • wie selbstfördernd oder bescheiden (Grad der Selbstförderung)
  • wie selbst enthüllend oder privat (Grad der persönlichen Offenbarung)

agiere ich jeweils?

Dabei betrachtet man das gesamte Spektrum der Verhaltensweisen in der Zielkultur, die als angemessen erachtet werden, und definiert eine „Zone der Angemessenheit“. Man überlegt dann, ob eine der eigenen bevorzugten Verhaltensweisen noch in diese Zone passen würde.

Wo dies nicht der Fall ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Sie Ihre Komfortzone so ausweiten könnten, dass sie sich mit der Eignungszone des anderen Kulturcodes überschneidet, um in gegebenen Situationen eine „neue Normalität“ für sich selbst zu schaffen. Bevor wir uns dem Vorschlag von Molinsky widmen, betrachten wir die psychologischen Herausforderungen, die er dabei identifiziert:

Können Sie Ihre Authentizität bewahren, wenn Ihre persönlichen Werte und Überzeugungen im Widerspruch zu denen stehen, die dem Verhalten zugrunde liegen?
Haben Sie das Know-how und die Fähigkeit, das neue Verhalten tatsächlich auszuführen?
Haben Sie die Kraft, jeden Groll und jede Bitterkeit darüber zu überwinden, dass Sie sich anpassen müssen?

Molinsky verwendet einen Coaching-Ansatz, der Ihnen helfen soll, dies zu erforschen. Nach der Bestandsaufnahme und Zielsetzung sind Sie eingeladen, das neue Verhalten in kleinen Experimenten in einer sicheren Umgebung behutsam zu testen und Vertraute und Mentoren aus der Zielkultur um konstruktives Feedback zu Ihrer Leistung zu bitten. Jedes Experiment erfordert emotionale und psychologische Reflexion und Inventur, so dass Sie neues Verhalten nur so weit ausprobieren, wie Sie sich damit noch wohl fühlen. Ihr Ziel ist es, dieses Verhalten durch neue Erkenntnisse auf einer selbstgesteuerten Reise zu integrieren. So bauen Sie eine Art „Muskelgedächtnis“ auf, wie man es aus dem Sportcoaching kennt. Sie entwickeln Ihre Souveränität in dem Maße auf wie Sie Ihre erhöhte Selbstwirksamkeit erleben.

Molinsky verwendet das Schauspiel als schöne Metapher für diesen Prozess. Wenn Sie eine neue Rolle erlernen, heißt das nicht, dass Sie alle anderen Aspekte Ihrer Persönlichkeit verlieren. Ganz im Gegenteil, Sie gewinnen dazu, denn Sie realisieren ein Potenzial, das in Ihnen schlummert, und erweitern damit Ihr Repertoire. Wenn Sie diese neuen Fähigkeiten einüben und merken, es geht nicht so recht, können Sie diese kritisch betrachten und zum Schluss kommen: „Das bin ich nicht… oder eben: noch nicht“.

Die eigentliche Herausforderung besteht letztlich darin, zu entscheiden, inwieweit dieses neue Verhalten für Ihr altes Selbst akzeptabel sein kann. Wenn Sie sich entschieden haben, dass Sie es tatsächlich anwenden wollen, können Sie Ihr Ziel auf zwei Wegen erreichen: Erstens, Sie lernen, das Verhalten in seiner inneren Logik zu verstehen und zu wertschätzen. Zweitens, Sie suchen im gemeinsamen Ziel nach einer Befriedung. Wo die Werte im Widerspruch zu Ihren eigenen stehen, schlägt Molinsky einen bewußten interkulturellen Brückenschlag vor. Dabei geht es um den Versuch, die Logik der fremden und der eigenen Kultur zu integrieren, indem man eine ganz neue Kultur mit neuen Verhaltensweisen schafft.

Softskills für Naturwissenschaftler

Im Januar 2017 hatte ich das Vergnügen, einen zweitägigen Workshop am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Stuttgart durchführen. Wir konzentrierten uns auf die Themen

  • besser zuhören
  • fachübergreifend erzählen
  • Konflikte lösen
  • das eigene Verhalten in der Teamarbeit reflektieren

Hier stelle ich vor, wie wir das letzte dieser Themen bearbeitet haben.

  1. Team-Poster

In einer ersten Übung hatten drei Teams 20 Minuten Zeit, ein Poster zu einem Thema ihrer Wahl mit begrenztem Material zu erstellen. Ziel der Übung war, die Rollen zu reflektieren, die jedes Gruppenmitglied in der Gruppenarbeit typischerweise einnimmt, und wie dieses Verhalten zum Prozess und zum Ergebnis beiträgt.

Die Ergebnisse waren sehr spannend: Ein Team, dessen Mitglieder sich als ähnliche MBTI-Typen identifiziert hatten, arbeitete fast reibungslos zusammen und erzielte ein ganz ordentliches Ergebnis. Dieses Team begann erst nach der Hälfte der vorgegebenen Zeit, nach reiflicher Analyse und Diskussion, mit der eigentlichen Erstellung ihres Posters. Unterdessen durchlief ein zweites Team, das sich aus sehr unterschiedlichen MBTI Persönlichkeitstypen zusammensetzte, einen lebendigen, von lautem Lachen getragenen Prozess. Dieses Team erzielte umgehend kleine praktische Ergebnisse und entwickelte ein daraus ein buntes Patchwork-Poster, das den Beitrag der einzelnen Teammitglieder getrennt zeigte. Beide Gruppen waren mit ihrem Produkt sehr zufrieden. Die Unterschiede zwischen ihren Ansätzen lieferten sehr interessante Denkanstöße:

Ähnliche Typen können zusammen reibungslos zu guten Ergebnissen kommen, aber sie haben nicht die Gelegenheit, die Gedanken und Arbeitsweisen Andersdenkender kennenzulernen.

Unterschiedliche Typen hingegen können sich in der Zusammenarbeit zwar ziemlich an einander reiben (so dass manche Teilnehmer den Prozess sogar als „Zeitverschwendung“ erleben). Die Gruppe wird eben durch den Versuch, alle Teilnehmer einzubeziehen, aufgehalten. Zugleich aber gewinnen alle dadurch Erkenntnisse über Potentiale in der Gruppe, die ihnen bei späteren Projekten eine bessere Zusammenarbeit ermöglichen.

Verschiedene Studien haben belegen können, dass Teams oft gerade durch Gruppenkonflikte wirklich leistungsfähig und innovativ werden. (Rigoglioso 2006)

2. Teambesprechung

In einer zweiten Übung trafen sich die Teams zu einer Sitzung, um ein Projekt ihrer Wahl zu besprechen. Das Format war stark stilisiert, sie nutzten Edward de Bonos Six Hats-Ansatz in einem Spielformat. Am Ende stellten die einzelnen Gruppen ihre Erfebnisse vor. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Übung waren:

Die kreative Begrenzung der Gesprächszeit im Spielformat erhöhte ihre Konzentration und verbesserte die Ergebnisse. Dadurch konnten die Mitglieder es vermeiden, sich gegenseitig übertreffen zu wollen und damit zu blockieren, und die Ideen und Aktionspläne konnten sich unbehindert entwickeln.

Ein Schlüssel zu nützlichen Ergebnissen ist es, Gedanken erst aufblühen zu lassen, bevor man ihre Schwächen sucht. Wenn wiederum die Schwächen benannt worden sind ist der nächste Schritt, nicht alles infrage zu stellen, sondern nach Lösungen für diese Schwächen zu suchen. So werden Ideen gefördert, statt sie im Keim zu ersticken.

Die Teamposter-Übung ergab bessere Bilder (siehe unten), aber die Team-Meeting-Übung kam besser an.

Ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmer des Max-Planck-Instituts für intelligente Systeme für die Freigabe dieser Fotos.

Reflektionen

Ein großes Dankeschön an Wera Schmidt, die mein Konzept überdacht und die Posterübung vorgeschlagen hat. Ein herzliches Dankeschön an meinen Coaching-Kollegen Wolf Wagner, der das Feedback durchgesehen und für mich ausgewertet hat. Insgesamt war das Feedback sehr positiv. Was den Teilnehmern am besten gefiel, war die Gelegenheit am ersten Tag, Zuhören und Erzählen zu üben. Sie waren zudem sehr daran interessiert, in Simulationen typische Konflikte zu üben. Dabei fanden es einige ziemlich schwierig, sich in die Gegenseite hineinzuversetzen und auszumalen,  was ihr Gegenüber konkret argumentieren würde. Ganz allgemein hätten sie eine kleinere Anzahl von stärker supervidierten Rollenspielen bevorzugt.  Dies deutet für mich darauf hin, dass ein fokussierteres Gruppencoaching nützlicher wäre. Insgesamt werde ich bei einem ähnlichen Softskills Workshop zukünftig folgendes beherzigen:

  • weniger Themen bearbeiten
  • eine stärkere Konzentration auf Themen, die von den Einzelteilnehmern jeweils auf ihre eigene Arbeits- und Lebensrealität bezogen werden
  • mehr Zeit für die gemeinsame Reflexion nach jeder Übung
  • eine klarere Benennung der Ziele vor und nach jeder Übung.

„Mein Sohn möchte besser Englisch schreiben können“ – 10 Tipps für den Anfang

Heute fragte mich Ewa, wie ihr Sohn sein schriftliches Englisch verbessern könnte. Nun, man braucht Motivation und Praxis. Gut Schreiben lernt man jedenfalls, indem man mit Engagement schreibt, und dann von einem interessierten Leser Feedback bekommt. Hier sind für den Anfang schon mal zehn Tipps:

  • Fang an zu lesen. Suche eine Muse, eine Inspiration, einen Schriftsteller, der packend über das, was Dich interessiert, schreibt. Surfe und suche Artikel, die Dich interessieren. Lasse Dich auf das geschriebene Wort ein. Finde Texte zum gleichen Thema, und vergleiche sie: Welcher gefällt Dir besser, und warum? Laß Bilder und Filme im Kopf entstehen.
  • Fang an, jeden Tag auf Englisch zu schreiben. Keine Angst vor dem leeren Papier/ der leeren Datei/ dem leeren Blog. Mache daraus ein Ritual, wie Sport oder Essen. Variiere die Umstände, unter denen Du schreibst, bis Du Dich wohlfühlst und alles passt.
  • Schreib 10 Minuten lang drauf los. Egal was. Der Text soll fließen. Wenn Du nicht weißt, worüber, schreibst Du, “I don’t know what to write about, but Anne said I have to write for 10 minutes, so here I am, …” und scheib einfach weiter. Aufhören darfst Du nicht. Denk nicht darüber nach, ob etwas korrekt ist oder besonders schlau klingt oder ob Dein Stil gut ist. Durchgelesen wird später. Selbst wenn Du meinst, Du müsstest eigentlich Material und Ideen sammeln bevor Du loslegst, laß Dich nicht ablenken, laß erstmal Gedanken locker und ungeordnet auf das Papier fließen.
  • Lese das, was Du geschrieben hast, Dir selbst laut vor. Du kannst es auch aufnehmen. Indem Du das, was Du schreibst, genau anhörst, wird es im Laufe der Zeit authentischer. Es gibt zwar auch auf Englisch deutliche Unterschiede zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort, aber wenn Du einen guten schriftlichen Stil anstrebst, dann sollte der Text inhaltlich klar gegliedert und damit einfach zu verstehen sein.
  • Mach aus dem Schreiben ein Spiel. Suche z.B. 3-5 Wörter, die in Deinem Text vorkommen sollen. Schreibe sie auf, und schaue im Laufe des Tages öfters drauf. Wenn Du abends dann schreibst, benutze sie. Oder schreibe nach dem Alphabet jeden Tag über etwas, das Dich beschäftigt: Airport, B…, C… Das Spiel lebt von den Regeln, die Deinen Handlungsspielraum einschränken und Dir somit Kreativität abverlangen.
  • Probiere Webseiten aus, in denen Leute gemeinsam Texte produzieren, z.B. http://foldingstory.com/ – oder wo es fertige interaktive Geschichten gibt, die Du dann selbst ebenfalls schreiben kannst, wie https://writer.inklestudios.com/
  • Wenn Du erstmal Gedanken aufgeschrieben hast, kannst Du sie quasi als Bausteine verwenden. Dann kommt der Bauplan: eine Gliederung. Im Englischen gibt es ein standardisiertes klassisches Modell für Aufsätze, das sehr einfach strukturiert ist:
    eine Einleitung mit These,
    drei Absätze, die jeweils einen Aspekt der These mit konkreten Belegen und illustrativen Beispielen unterfüttern,
    dann ein Abschluss mit Ausblick.
    Suche nach “Essay writing”, und Du findest z.B.

  • Grammatik:
    Erklärungen auf Deutsch gibt es auf http://www.ego4u.de/
    Eine Seite für Sprachliebhaber: http://www.quickanddirtytips.com/grammar-girl
  • Es gibt Systeme, die Dich unterstützen können, wie der Online Grammatik Checker Grammarly: Dieses Programm findet alle möglichen Problemstellen in Deinem Text – auch dort, wo es keine Fehler gibt, aber wo die Syntax leicht zu Fehlern führen könnte. Kopiere Deinen Text hinein und lese das Feedback sorgfältig durch. Es erstetzt nicht das Gespräch mit jemandem, der Dir persönliches Feedback gibt, aber es kann es im Vorfeld entlasten.
  • Style guides sind sehr hilfreich. Hier eine Reihe nützlicher Links: