Vortrag bei BESIG 2021 für Cornelsen

Wie geht ein hybrider Kurs mit Cornelsen’s Basis for Business?
Zusammenfassung

Dieser 30-minütige Vortrag sollte Trainer:innen für Business Englisch einen Überblick über die Erfahrungen mit den „zwei Welten“ von Online- und Präsenztraining geben. Kunden und Lernende verlangen heute Kurse, bei denen einige Teilnehmer physisch anwesend sind, während sich andere über eine Konferenzschnittstelle anmelden. Diese Flexibilität entspricht zwar den gestiegenen Mobilitätsanforderungen, bringt aber auch neue technische und didaktische Herausforderungen mit sich. Der Teufel steckt oft im Detail.

Im Vortrag wurde erörtert, wie hybride Kurse gehandhabt werden können, mit Vorschlägen, wie die Kontaktstunden so gestaltet und verwaltet werden können, dass sowohl die anwesenden als auch die zugeschalteten Teilnehmer ihre Kommunikationsfähigkeiten im Sinne des CEFR Companion verbessern können. Ich zeigte Beispiele für solche Unterrichtspläne, die auf Basis for Business basierten; einem Lehrwerk, das nun als modulares digitales Ressourcenpaket verfügbar ist. In Kombination mit externen Ressourcen und mobilen Tools kann man sich einen maßgeschneiderten Lehrplan schneidern.

Um ehrlich zu sein, ist es noch zu früh, um groß von Erfolgsgeschichten zu berichten. Insgesamt warnte ich im Vortrag vor den zu erwartenden Fallstricken und der Notwendigkeit, Erwartungen zu steuern und auf noch unbekannte Gefahren vorbereitet zu sein, ermutigte aber auch die Trainer:innen, den Wandel zum Nutzen ihrer Kunden und Lernenden positiv zu unterstützen und die Gelegenheit zu nutzen, ihre pädagogischen Ziele neu zu fokussieren und neue Wege zu finden, diese zu erreichen.

Von Präsenz und Online zu Hybrid

Was also wollen die Teilnehmer aus den Erfahrungen der letzten 1,5 Jahre mitnehmen? Erste Studien zeigen, dass viele die Vorzüge von Online-Kursen ndarin sehen, dass sie diese für zeitsparender und zielgerichteter halten. Online-Breakouts und die Einbeziehung von Hybrid-Teammitgliedern werden geschätzt. Digitalisierte Medien und die einfache gemeinsame Nutzung von Dateien, die Dokumentation von Vokabeln und Grammatik im Chat sowie neue digitale Kursumgebungen sind zum Standard geworden. Die gemeinsame Nutzung von Online-Sprach- und Videoaufnahmen (Zoom) ist für das Coaching sehr nützlich.

Einige Lernende bevorzugen einen optimierten Online-Input (es dürfte bald Studien über kognitiv unterschiedliche Lernende geben), andere werden durch Verbindungsprobleme eher ausgebremst. In letzter Zeit wird die Teilnahme am Unterricht vom Arbeitsplatz aus immer schwieriger, da die Angestellten zurückkehren und die Büroräume immer belebter wird.

Die besten Aspekte des Präsenztrainings sind nach allgemeiner Auffassung die sozialen Kontakte und das multisensorische, emotionale Lernen.

Der hybride Aufbau stört diese beiden Welten. Das Spielfeld ist eindeutig geteilt, wobei die Online-Mitglieder einen ganz andern Blick auf die Situation und andere Kommunikationsbedürfnisse haben als die Teilnehmer iVor Ort. Werden sich alle Teilnehmer im Raum und online abwechseln? Werden die Online-Teilnehmer die Außenseitergruppe bleiben? Je nachdem verändert sich natürlich das Spiel.

Potentiale für effektives Arbeiten im Plenum werden darin liegen, die Online-Gruppe stärker in die Kontaktaufnahme und das Erfahrungslernen einzubeziehen, und die Gruppe vor Ort in den digitalen Austausch und die Dokumentation einzubinden.

Besondere pädagogische Herausforderungen für den Ausbilder beim hybriden Lernen sind mit der effektiven Organisation von Gruppenübungen verbunden. Der Vortrag hat erörtert, warum dies so wichtig ist: Die kommunikativen Schlüsselkompetenzen aus dem CEFR Companion lassen sich am besten erwerben, indem man Situationen übt, unmittelbares Feedback vom Gegenüber erhält und dann über das Geschehene nachdenkt. Kontaktsitzungen müssen daher kommunikative Übungen beinhalten. Bei der Gestaltung von Hybridkursen müssen wir die Gruppenarbeit also gut steuern und einen gut organisierten Unterricht einplanen, insbesondere zur Unterstützung der Online-Personen in ihren Gruppensitzungen.

Einige grundlegende Tipps für Hybridkurse

Technologie:
Eine Grundvoraussetzung: Konferenzhardware, d. h. Audio (z. B. Jabra), Videokamera (am besten: 360 Grad, dem Sprecher folgend), großer Monitor oder ggf. Laptop + Projektor
Verwalten Sie eine einzige audiovisuelle Schnittstelle
Zeigen Sie Materialien über die Konferenzsoftware auf einem großen Monitor oder Projektor
Schalten Sie die Mikrofone/Lautsprecher möglicher Schülergeräte, die online gehen, stumm, um Rückkopplungsverzerrungen zu vermeiden.
Halten Sie ein Headset bereit, um Online-Unterbrechungsgruppen oder Einzelpersonen zu unterstützen (nehmen Sie sich eine Auszeit)
Verwenden Sie mobile Apps, um die Online- und Präsentationsgruppen gemeinsam zu befragen.

Anweisungen/Materialien:
Verwalten Sie Dateien auf der Kursplattform/im Intranet.
Weisen Sie ein Buch und/oder andere Materialien mit klaren Anweisungen zu

Flexibilität:
Regeln für die Teilnahme aushandeln/vereinbaren, Erwartungen steuern, Grenzen festlegen

Prozesse:
Dokumentieren Sie die Arbeit im Klassenzimmer im Chat – Weisen Sie Rollen für Vokabeln und Aufgaben zu
Zeigen Sie den Chat an und reagieren Sie darauf – Weisen Sie die Rolle des Chat-Monitors zu
Speichern Sie die Dokumentation auf Ihrer Plattform

Gleiche Ausgangsbedingungen schaffen:
Verwenden Sie mobile Umfragen www.mentimeter.com für die gesamte Klasse
Zuweisung von asynchronen kollaborativen Aufgaben an integrierte Gruppen

Verwendung von Basis for Business

Der/die Trainer:in möchte eigene Materialien einbinden? Basis for Business hat einen modularen Aufbau.

Materialien sollen auf dem Bildschirm geteilt werden? Basis for Business ist durchweg digital.

Der/die Trainer:in legt wert auf Gruppenarbeit im Kommunikationstraining? Basis for Business baut auf einen kommikativen Kern jeder Stunde auf.

Stunden sollen übersichtlich organisiert sein und externe Materialien eingebunden werden? Alle Videos und Hörübungen sollen direkt abrufbar sein? Der UnterrichtsManager gibt das her.

Die Studierenden sollen anregende Übungen zur Eigenarbeit haben? Gibt es, in einer Mobilen App.

Die Kursbuch-Doppelseiten (ausgelegt auf 90 Minuten) haben eine Struktur, die leicht erweitert werden kann. Wir schauten uns an, wie in einem Kurs, der Basis for Business C1 zugrunde legt, die Themen Präsentation und Bewerbungsgespräch eingeflochten wurden. Zwei Unterrichtsbeispiele zeigten, wie externe Materialien/Medien oder eine mobile Umfrage zur Vorbereitung einer Plenumsdiskussion eingebaut werden kann. Eine Job-Website wurde in Einzelarbeit erkundet, es folgte eine zusätzliche Gruppenaktivität, und beides diente zur Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch.

Vielen Dank an Carl Dowse, Britta Landermann und Marion Karg für die großzügige Bereitstellung ihrer Konzepte und Erfahrungen. Alle irrtümlichen Interpretationen sind meine eigenen.

Quellen

Basis für Business C1 Kursbuch (Cornelsen 2020) – von Anne Hodgson, Carole Eilertson, mit Mike Hogan und dem Beraterteam – kartoniert: ISBN 978-3-06-122164-5; e-Book: ISBN 978-3-06-122171-3

Basis for Business C1 Teachers Guide (Cornelsen 2021), von Andreas Grundtvig: ISBN 978-3-06-122167-6.

Basis for Business C1 Arbeitsbuch (Cornelsen 2021) – von Angela Lloyd, ISBN 978-3-06-122165-2

Basis for Business C1 PagePlayer App (Cornelsen 2020) – mit zusätzlichen interaktiven Übungen

PagePlayer für Kursbuch: 978-3-06-122527-8

PagePlayer für Arbeitsbuch: ISBN 978-3-06-122526-1

Basis for Business C1 Unterrichtsmanager (Cornelsen April 2021) 978-3-06-122169-0 – 90 Tage kostenlos testen

Kursunterlagen online verfügbar: https://www.cornelsen.de/codes/code/butofo

Europarat (April 2020): CEFR Companion Volume, ISBN 978-92-871-8621-8 kostenlos erhältlich unter www.coe.int/lang-cefr

Zivilcourage tut Not


In Erfurt kam es am Freitag im Zug zu einem sehr hässlichen Fall von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, der sich gegen einen jungen Syrer richtete. Ein deutscher Mann mit einem Fahrrad beschimpfte den Jungen zunächst verbal und griff ihn dann körperlich an, indem er ihn trat und sein Handy auf dem Boden zerschlug. Der Mann wurde später verhaftet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Junge vom Vorfall gezeichnet ist.

Ich war nicht dabei – der Vorfall wurde auf Twitter geteilt. Aber da ich schon etliche unangenehme Erfahrungen gemachte habe bei denen ich mal besser, mal schlechter reagiert habe, hier mal eine reflektierende Notiz an mich selbst: Wenn jemand in meiner Gegenwart angegriffen wird, würde ich am erfolgversprechendsten folgendermaßen intervenieren:

Ich würde den Angreifer nicht direkt konfrontieren – das würde nur die Aggressionen des Täters auf mich ziehen. Schließlich hätte ich in seinen Augen keine offizielle, privilegierte Rolle ihm gegenüber, ich wäre nur ein Mitbürger, so dass er mich direkt herausfordern könnte.

Stattdessen wäre es sinnvoll, den Fahrer zu benachrichtigen, der die Türen schließen könnte, um den Angreifer an der Flucht zu hindern, und die Polizei zu rufen, um den Vorfall zu melden. Idealerweise würde ich mich mit den anderen Fahrgästen um mich herum entsprechend abstimmen.

Insgesamt müsste dann meine und unsere Aufmerksamkeit sofort beim Opfer sein. Dieser Mensch erlebt gerade etwas Traumatisches. Ich würde also zu ihm gehen und ihn freundlich ansprechen, mich zu ihm setzen und ein vertrautes Gespräch beginnen, so als ob wir uns kennen würden. „Schön dich zu sehen. Wie geht’s in der Schule? Ich fahre gerade von der Arbeit nachhause, Und du?…“

Etwas, das man nie vergessen sollte: Mut ist ansteckend – Mut erzeugt auch bei anderen Mut – und Zivilcourage ist geradezu befreiend.

Die Comedyserie SNL nimmt einen Gerichtsfall aufs Korn. Sind sich Schwarze und Weiße wirklich einig?

Saturday Night Live hat die aktuellen politischen Ereignisse in den USA aufgegriffen. Die Comedy-Serie eröffnet die aktuelle Folge mit einer fiktiven Minnesota-Morgenshow mit zwei schwarzen Moderatoren, gespielt von Ego Nwodim und Kenan Thompson, und zwei weißen Moderatoren, gespielt von Kate McKinnon und Alex Moffat.

Sie beginnen ihren wöchentlichen Nachrichtenrückblick mit der Besprechung des Prozesses gegen Derek Chauvin, den ehemaligen Polizisten aus Minneapolis, der wegen des Mordes an George Floyd vor Gericht steht. Die Verteidigung hat versucht, die Todesursache auf Floyds angeblichen Drogenkonsum zu schieben, während die Staatsanwaltschaft Beweise vorgelegt hat, dass Floyd an Sauerstoffmangel gestorben ist, der in direktem Zusammenhang mit dem Kniegriff an seinem Hals stand. Die Jury ist noch nicht entschieden, das Urteil muss noch gesprochen werden.

Im SNL Cold Open sagt Nwodims Charakter, dass die Beobachtung des Prozesses „so viele schlechte Gefühle“ vom letzten Sommer zurückgebracht hat. McKinnon kommentiert: „Klingt, als wären wir uns alle einig, dass Derek Chauvin auf keinen Fall davonkommt“. Aber Nwodim und Thompson sind anderer Meinung. „Nun…“, sagen sie und schauen unglücklich. Nwodim fügt hinzu: „Sagen wir einfach, wir sehen diesen Film nicht zum ersten mal.“ McKinnon beharrt: „Aber nach all den Protesten, des letzten Sommers muss das doch auf jeden Fall so laufen, wie wir hoffen.“ Nwodim wendet sich an Thompson und sagt: „Ich weiß nicht, wovon sie spricht.“

McKinnon räumt ein, dass „Skepsis gegenüber der Juristerei berechtigt ist… Historisch gesehen, ist die Polizei in ähnlichen Fällen avongekommen.“ „Historisch gesehen?“ fragt Thompson ungläubig. „Sie meint, jedes einzelne Mal“, sagt Nwodim.

Während sie sich streiten, benutzt Nwodim spitz den „nordisch“ klingenden Nachnamen ihres weißen Kollegen. Moffat, der seine Worte zum heiklen Thema Rassismus sorgfältig wählen will, beginnt: „Um Thomas Jefferson zu zitieren…“ „Das ist ein schlechter Einstieg“, antwortet Thompson. (Sklavenhalter Jefferson ist eindeutig nicht politisch korrekt.)

McKinnon bittet den schwarzen Wetterreporter der Show, gespielt von Chris Redd, um seine Meinung zu alledem. „Mann, zieh mich nicht in diesen Schlamassel rein!“ sagt Redd. „Ich stecke immer noch in der Klemme, weil ich in diesem Paul Pierce-Video mitgespielt habe“, eine Anspielung auf den ehemaligen NBA-Spieler und heutigen Sportanalysten, der gerade von Cable News gefeuert wurde, weil er ein schlüpfriges Instagram-Live-Video gepostet hatte. Redd ist der Meinung: „An dem Fall gibt es nichts zu deuten.“ Aber die Moderatoren sind sich nicht einig, was das für den Ausgang des Falles bedeutet.

„Um unserer Stadt willen“, sagt McKinnon, „hoffe ich, dass der Gerechtigkeit endlich siegt.“ Diese Hoffnung teilen sie alle. „Das Letzte, was wir wollen, ist ein weiterer Aufstand.“ Aber dann sagt Thompson: „Und ich denke, wir sind uns alle einig, dass, egal wie schlimm die Dinge sind, die Zerstörung von Eigentum niemals angebracht ist.“ Die schwarzen Moderatoren scheinen das anders zu sehen. „Das würde ich so nicht sagen.“ „Es gibt doch Versicherung.“ „Ich finde nur, Protest sollte immer gewaltfrei sein.“ „Nun, danke für den kleinen Hinweis, Craig!“ „Ja, das wirst du sicher den anderen sagen, Craig Matthew Juergensen!“

„Na, wenigstens sind wir uns in der Sache einig“, sagt Moffat. Wenn das so ist, sagt Nwodim, könne man ja mal gemeinsam die nötigen großen Reformen in Angriff nehmen, oder? „Und wir beginnen mit Reparationen“ – das sind die zur Diskussion gestellten Zahlungen an die Nachkommen der Sklaven für die dauerhafte systemische sozioökonomische Benachteiligung als Folge der Sklaverei. „Also, Moment mal…“

Das um Harmonie bemühte Nachrichtenteam geht zu anderen großen Nachrichten über. McKinnon sagt: „Mehr traurige Nachrichten diese Woche. Leider haben wir gestern ein Mitglied der Royals verloren.“ „Ja, genau, der Rapper DMX ist gestorben“, fügt Nwodim hinzu. McKinnon berichtigt, sie spreche „vom Prinzen“. „Mädchen, Prince ist doch lange tot“, sagt Nwodim. Moffat erklärt, sie meine Prinz Philip von England. „Wer? Der Freund von Meghan Markle?“ fragt Thompson.

Auf der Suche nach irgendeiner einer Nachricht, bei der sich alle einig sein könnten, landet das Team bei Matt Gaetz, dem US-Senator, der derzeit des Sexhandels mit einer Minderjährigen beschuldigt wird. Während sie sich anscheinend alle einig sind, dass er toxisch ist, kommt Redd zu Gaetz‘ Verteidigung und sagt: „17 ist doch nicht so jung“. „Deshalb steckst du ja in Schwierigkeiten!“

Damit geben sie den Versuch auf, sich auf irgendetwas zu einigen, und geben das Mikrof ab mit dem Eröffnungsspruch der Show: „Live from New York, it’s Saturday Night!“

Das Video ist auf Facebook zu sehen.
Was ist Dein Eindruck? Ist das lustig oder ernst? Was bringt Dich dazu, das zu sagen?

Wo sind sich die Moderatoren einig? Wo unterscheiden sich ihre Meinungen?

In der folgenden Liste stehen die Sätze, die die Moderatoren verwenden, um Gemeinsamkeiten zu schaffen und ihre unterschiedlichen Standpunkte zu verdeutlichen.

Wer sagt was, und in welchem Zusammenhang? Wo wird gelacht und warum? Welche Phrasen würdest Du verwenden, und in welchem konkreten Kontext?

Check
(repeat): “…”? – She means “…” 
Wait, so what are you trying to say?
Propose common ground
This has been (highly emotional) for everyone, I’m sure.
There is no way that… 
And I think we can all agree that… 
We can’t deny that…
The last thing we want is…
Let’s just say,… 
That’s all we’re saying.
You can at least admit…
Ok, look…
At least we agree on…
Agree
I know.
Absolutely.
Sure did. Yep. No doubt about it.
Hopefully. That would be nice. God willing.
Of course not.
Exactly.
You know, that’s fair.
Agreed. I’m with you there. 
Amen to that.
Can’t deny that. No argument there.
Disagree
Well, I…
I’m not saying that. 
I don’t know about that.
That’s a bad start. 
I wouldn’t say that. 
(Sarcastic tone) Well, thank you for that little note. 
Not necessarily. 
I don’t know what she’s talking about.
For who(m)? When?
Now, wait just a minute.

Softskills für Naturwissenschaftler

Im Januar 2017 hatte ich das Vergnügen, einen zweitägigen Workshop am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Stuttgart durchführen. Wir konzentrierten uns auf die Themen

  • besser zuhören
  • fachübergreifend erzählen
  • Konflikte lösen
  • das eigene Verhalten in der Teamarbeit reflektieren

Hier stelle ich vor, wie wir das letzte dieser Themen bearbeitet haben.

  1. Team-Poster

In einer ersten Übung hatten drei Teams 20 Minuten Zeit, ein Poster zu einem Thema ihrer Wahl mit begrenztem Material zu erstellen. Ziel der Übung war, die Rollen zu reflektieren, die jedes Gruppenmitglied in der Gruppenarbeit typischerweise einnimmt, und wie dieses Verhalten zum Prozess und zum Ergebnis beiträgt.

Die Ergebnisse waren sehr spannend: Ein Team, dessen Mitglieder sich als ähnliche MBTI-Typen identifiziert hatten, arbeitete fast reibungslos zusammen und erzielte ein ganz ordentliches Ergebnis. Dieses Team begann erst nach der Hälfte der vorgegebenen Zeit, nach reiflicher Analyse und Diskussion, mit der eigentlichen Erstellung ihres Posters. Unterdessen durchlief ein zweites Team, das sich aus sehr unterschiedlichen MBTI Persönlichkeitstypen zusammensetzte, einen lebendigen, von lautem Lachen getragenen Prozess. Dieses Team erzielte umgehend kleine praktische Ergebnisse und entwickelte ein daraus ein buntes Patchwork-Poster, das den Beitrag der einzelnen Teammitglieder getrennt zeigte. Beide Gruppen waren mit ihrem Produkt sehr zufrieden. Die Unterschiede zwischen ihren Ansätzen lieferten sehr interessante Denkanstöße:

Ähnliche Typen können zusammen reibungslos zu guten Ergebnissen kommen, aber sie haben nicht die Gelegenheit, die Gedanken und Arbeitsweisen Andersdenkender kennenzulernen.

Unterschiedliche Typen hingegen können sich in der Zusammenarbeit zwar ziemlich an einander reiben (so dass manche Teilnehmer den Prozess sogar als „Zeitverschwendung“ erleben). Die Gruppe wird eben durch den Versuch, alle Teilnehmer einzubeziehen, aufgehalten. Zugleich aber gewinnen alle dadurch Erkenntnisse über Potentiale in der Gruppe, die ihnen bei späteren Projekten eine bessere Zusammenarbeit ermöglichen.

Verschiedene Studien haben belegen können, dass Teams oft gerade durch Gruppenkonflikte wirklich leistungsfähig und innovativ werden. (Rigoglioso 2006)

2. Teambesprechung

In einer zweiten Übung trafen sich die Teams zu einer Sitzung, um ein Projekt ihrer Wahl zu besprechen. Das Format war stark stilisiert, sie nutzten Edward de Bonos Six Hats-Ansatz in einem Spielformat. Am Ende stellten die einzelnen Gruppen ihre Erfebnisse vor. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Übung waren:

Die kreative Begrenzung der Gesprächszeit im Spielformat erhöhte ihre Konzentration und verbesserte die Ergebnisse. Dadurch konnten die Mitglieder es vermeiden, sich gegenseitig übertreffen zu wollen und damit zu blockieren, und die Ideen und Aktionspläne konnten sich unbehindert entwickeln.

Ein Schlüssel zu nützlichen Ergebnissen ist es, Gedanken erst aufblühen zu lassen, bevor man ihre Schwächen sucht. Wenn wiederum die Schwächen benannt worden sind ist der nächste Schritt, nicht alles infrage zu stellen, sondern nach Lösungen für diese Schwächen zu suchen. So werden Ideen gefördert, statt sie im Keim zu ersticken.

Die Teamposter-Übung ergab bessere Bilder (siehe unten), aber die Team-Meeting-Übung kam besser an.

Ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmer des Max-Planck-Instituts für intelligente Systeme für die Freigabe dieser Fotos.

Reflektionen

Ein großes Dankeschön an Wera Schmidt, die mein Konzept überdacht und die Posterübung vorgeschlagen hat. Ein herzliches Dankeschön an meinen Coaching-Kollegen Wolf Wagner, der das Feedback durchgesehen und für mich ausgewertet hat. Insgesamt war das Feedback sehr positiv. Was den Teilnehmern am besten gefiel, war die Gelegenheit am ersten Tag, Zuhören und Erzählen zu üben. Sie waren zudem sehr daran interessiert, in Simulationen typische Konflikte zu üben. Dabei fanden es einige ziemlich schwierig, sich in die Gegenseite hineinzuversetzen und auszumalen,  was ihr Gegenüber konkret argumentieren würde. Ganz allgemein hätten sie eine kleinere Anzahl von stärker supervidierten Rollenspielen bevorzugt.  Dies deutet für mich darauf hin, dass ein fokussierteres Gruppencoaching nützlicher wäre. Insgesamt werde ich bei einem ähnlichen Softskills Workshop zukünftig folgendes beherzigen:

  • weniger Themen bearbeiten
  • eine stärkere Konzentration auf Themen, die von den Einzelteilnehmern jeweils auf ihre eigene Arbeits- und Lebensrealität bezogen werden
  • mehr Zeit für die gemeinsame Reflexion nach jeder Übung
  • eine klarere Benennung der Ziele vor und nach jeder Übung.