Globale Geschicklichkeit

Read in: English (Englisch)

Zusammenfassung von: Andy Molinsky: Global Dexterity: How to Adapt Your Behavior Across Cultures without Losing Yourself in the Process. Harvard Business Review Press. 2013

Sie wollen also eine echte/r „Weltbürger/in“ werden? Da brauchen Sie mehr als nur Kenntnisse darüber, was sich in den Kulturen, in denen Sie sich bewegen, gehört. Es gibt einen ziemlichen Unterschied zwischen dem Wissen darüber, welches Verhalten in einer bestimmten Umgebung und Situation verlangt wird, und der Fähigkeit, tatsächlich dementsprechend zu handeln. Um Ihre Rolle in diesem Umfeld einzunehmen, müssen Sie in der Lage sein, Ihr Verhalten an den Kontext anzupassen, ohne Ihre Authentizität zu verlieren oder darüber verbittert zu werden, dass Sie sich an fremde Normen anpassen müssen. Dieser Prozess kann einen ganz schön aus dem Gleis werfen.

Um mit Teams über Kulturen hinweg zu arbeiten und Menschen aus anderen Kulturen zu führen, braucht man eine Schlüsselkompetenz, die Andy Molinsky als „globale Geschicklichkeit“ bezeichnet. Er bietet eine Coaching Toolbox an. Im Mittelpunkt steht eine Kernbotschaft: Bleib dir selbst treu. Werde auf deine eigene Weise erfolgreich. Damit empfielt er einen ganzheitlichen Ansatz.

Der erste Schritt besteht darin, sowohl Ihren eigenen „kulturellen Code“ als auch den Ihrer fremden Umgebung zu knacken. Das bedeutet, die prototypischen Verhaltens- und Denkweisen zu erkennen, die in einer gegebenen Situation als angemessen erachtet werden, und das mit dem Verhalten zu vergleichen, das man normalerweise an den Tag legen würde.

Molinsky bietet die folgenden Verhaltenskategorien an:

  • wie direkt oder indirekt (Grad der Direktheit)
  • wie enthusiastisch oder zurückhaltend (Grad der Begeisterung)
  • wie formell oder informell (Grad der Formalität)
  • wie durchsetzungsstark oder konform (Grad der Durchsetzungsfähigkeit)
  • wie selbstfördernd oder bescheiden (Grad der Selbstförderung)
  • wie selbst enthüllend oder privat (Grad der persönlichen Offenbarung)

agiere ich jeweils?

Dabei betrachtet man das gesamte Spektrum der Verhaltensweisen in der Zielkultur, die als angemessen erachtet werden, und definiert eine „Zone der Angemessenheit“. Man überlegt dann, ob eine der eigenen bevorzugten Verhaltensweisen noch in diese Zone passen würde.

Wo dies nicht der Fall ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Sie Ihre Komfortzone so ausweiten könnten, dass sie sich mit der Eignungszone des anderen Kulturcodes überschneidet, um in gegebenen Situationen eine „neue Normalität“ für sich selbst zu schaffen. Bevor wir uns dem Vorschlag von Molinsky widmen, betrachten wir die psychologischen Herausforderungen, die er dabei identifiziert:

Können Sie Ihre Authentizität bewahren, wenn Ihre persönlichen Werte und Überzeugungen im Widerspruch zu denen stehen, die dem Verhalten zugrunde liegen?
Haben Sie das Know-how und die Fähigkeit, das neue Verhalten tatsächlich auszuführen?
Haben Sie die Kraft, jeden Groll und jede Bitterkeit darüber zu überwinden, dass Sie sich anpassen müssen?

Molinsky verwendet einen Coaching-Ansatz, der Ihnen helfen soll, dies zu erforschen. Nach der Bestandsaufnahme und Zielsetzung sind Sie eingeladen, das neue Verhalten in kleinen Experimenten in einer sicheren Umgebung behutsam zu testen und Vertraute und Mentoren aus der Zielkultur um konstruktives Feedback zu Ihrer Leistung zu bitten. Jedes Experiment erfordert emotionale und psychologische Reflexion und Inventur, so dass Sie neues Verhalten nur so weit ausprobieren, wie Sie sich damit noch wohl fühlen. Ihr Ziel ist es, dieses Verhalten durch neue Erkenntnisse auf einer selbstgesteuerten Reise zu integrieren. So bauen Sie eine Art „Muskelgedächtnis“ auf, wie man es aus dem Sportcoaching kennt. Sie entwickeln Ihre Souveränität in dem Maße auf wie Sie Ihre erhöhte Selbstwirksamkeit erleben.

Molinsky verwendet das Schauspiel als schöne Metapher für diesen Prozess. Wenn Sie eine neue Rolle erlernen, heißt das nicht, dass Sie alle anderen Aspekte Ihrer Persönlichkeit verlieren. Ganz im Gegenteil, Sie gewinnen dazu, denn Sie realisieren ein Potenzial, das in Ihnen schlummert, und erweitern damit Ihr Repertoire. Wenn Sie diese neuen Fähigkeiten einüben und merken, es geht nicht so recht, können Sie diese kritisch betrachten und zum Schluss kommen: „Das bin ich nicht… oder eben: noch nicht“.

Die eigentliche Herausforderung besteht letztlich darin, zu entscheiden, inwieweit dieses neue Verhalten für Ihr altes Selbst akzeptabel sein kann. Wenn Sie sich entschieden haben, dass Sie es tatsächlich anwenden wollen, können Sie Ihr Ziel auf zwei Wegen erreichen: Erstens, Sie lernen, das Verhalten in seiner inneren Logik zu verstehen und zu wertschätzen. Zweitens, Sie suchen im gemeinsamen Ziel nach einer Befriedung. Wo die Werte im Widerspruch zu Ihren eigenen stehen, schlägt Molinsky einen bewußten interkulturellen Brückenschlag vor. Dabei geht es um den Versuch, die Logik der fremden und der eigenen Kultur zu integrieren, indem man eine ganz neue Kultur mit neuen Verhaltensweisen schafft.

Veröffentlicht von

Anne

Trainer/ coach from Washington, D.C. based in Berlin. Enthusiastic gardener, sailor, reader.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.